Die Hexa Gschichd

Die Nacht zum ersten Mai war unseren Vorfahren von besonderer Bedeutung. In dieser Nacht wurden Freudenfeuer entzündet, um den Beginn der Sommerzeit, in der die Erde wieder zum Leben erwacht, zu begrüßen. Auch in Dußlingen versammelten sich die Menschen um diese Feuer, tanzten um sie und sprangen vor Freude durch die Flammen.

Mit Beginn der Christianisierung war es mit derart heidnischem Hokuspokus vorbei. Aus den guten Geistern der Kelten sowie aus den germanischen Hagszissen machte die Kirche die Hexen. Denen wurde fortan nachgesagt, nur bösen Zauber zu betreiben und mit dem Teufel im Bunde zu sein. Die Kirche verdammte jene und verbreitete das Gerücht, daß in dieser Nacht die Hexen ausflogen, um sich an bestimmten Orten zu versammeln um dort auf die Ankunft des Teufels zu warten.

Der Ursprung des Hexenglaubens geht nicht auf diese alten Feste und den Volksglauben zurück, sondern entstammt den Kirchenbüchern. Durch diese ist die Ansicht in der Bevölkerung vorgedrungen, daß Frauen mit medizinischen Kenntnissen mit dem Teufel im Bunde stünden.

Es war also die Kirche, die im Zuge der Inquisition immer schaurigere Geschichten erzählte, welches Unwesen, die von ihnen als Hexen bezeichneten Frauen, angeblich trieben. Natürlich gab es auch abergläubische Bräuche, mit denen sich die Menschen schützen wollten, gegen die Hexen, die in dieser Nacht ihr Unwesen trieben.

Was die Hexen bei ihren geheimen Treffen nun wohl wirklich trieben, stachelte fortan die Phantasie der Normalsterblichen an. Zugleich fürchtete man die magischen Kräfte, was schließlich zur grausamen Hexenverfolgung führte, die nicht mehr nur geächtete und ungewöhnliche Frauen, sondern einfach jeden treffen konnte.

Man erzählt sich, daß auch in Dußlingen, trotz dem Verbot, in besagter Nacht, die Goia wie die Hexen in Dußlingen genannt werden, ausflogen, sich auf der Burg zu versammeln, um dort auf die Ankunft des Teufels zu warten.

Der Sage nach versuchten die Dorfbewohner mit Krach, sich die Goia vom Leib zu halten: Sie knallten die Peitschen, läuteten die Kirchenglocken und nahmen irgendwann, Frauen, die um die Feuer tanzten mit sich mit. Sie zogen mit lautem Gepolter und wüsten Beschimpfungen durch die Straßen von Dußlingen. Am anderen Ende der Ortschaft brachten sie die Goia an einen Platz, der heute als Kirchholzhäusle bekannt ist. Dort stellte man drei von ihnen, symbolisch für alle die sich nicht an das Verbot hielten, auf eigens für diese Zeremonie errichteten Scheiterhaufen. Gegen jegliches flehen und betteln fesselten sie die Goia an einen Pfahl. Die eifrigsten der selbsternannten Goiavertreiber, zündeten die Strohballen unter den Goia an. Erst als am morgen von den Scheiterhaufen nichts mehr zu sehen war, gingen die Dorfbewohner zufrieden nach Hause. Noch heute kann man, wenn die Umstände günstig sind und das Feld frisch gerodet ist, diese drei Punkte, auf denen die „Goia“ verbrannt wurden, von der Luft aus sehen.